Ich war lange von der Malerei fasziniert. Diese Kunstform bot mir die Möglichkeit, meine Gefühle auszudrücken und meine Empfindungen anderen zu vermitteln. Ich spürte Freude und Befriedigung dabei, meine Sicht der Dinge auf diese Weise darzustellen.

 

Immer wieder stiess ich jedoch an meine Grenzen. Ich hätte vieles gern handwerklich als künstlerisch in besserer Qualität angefertigt.

 

Vor einigen Jahren stand ich dann vor einem Scheideweg. Ich hatte mich mit der Fotografie beschäftigt, die ja schon in  

ihrem  Wortinhalt „Malen mit Licht“ bedeutet. 

 

Dazu musste ich dann aber den Pinsel mit einer Kamera tauschen. Das klang nach Technik und vielen Stolpersteinen. Auf mich warteten neue Herausforderungen. Davon war ich nicht abgeschreckt, sondern wurde neugierig auf diese neue Art, meine Beobachtungen und Empfindungen auszudrücken.

 

Ich liess mich auf das Abenteuer ein und machte im Sommer eine Fotoreise auf die Lofoten. Es hiess, das Licht verzaubere jeden Betrachter im hohen Norden und man könne sich in Ruhe und Gelassenheit mit der Natur und ihren vielseitigen Facetten beschäftigen.

 

Und so war es dann auch. Zu meinem Vorteil kam hinzu, dass ich schon zu meiner „Pinselzeit“ ein Auge für Details  und meine Vorstellungskraft trainiert hatte.

 

Mein "Kampf " mit der Kamera war nur von kurzer Dauer. Ich merkte schnell, dass man nicht alle Möglichkeiten beherrschen musste, die so ein optisch-computer-gesteuertes Gerät bietet. Zudem unterstützt mich mein Mann und Fotolehrer Manfred Horender dabei, mich auf das wesentliche zu konzentrieren und nur mit Grundeinstellungen vorzugehen.

Immer wieder blitzten neue Möglichkeiten auf, die dieses neue Medium bietet. - Ich hatte Feuer gefangen…

 

Ich hatte mir zuvor nie vorstellen können, dass gerade die Technik den Durchbruch bringen würde. Gemeint ist nicht nur die Kameratechnik, sondern die Technik der digitalen Fotografie. Zu weit erschien mir diese künstliche von der künstlerischen Welt entfernt. Aber genau hier lag der Schlüssel zum Erfolg: Ich konnte mir vielfache Vorlagen erstellen, die ich mit meiner Vorstellungskraft und Kreativität in ganz neuen Dimensionen umsetzen konnte.

 

Dieses Werkzeug ist die digitale Bearbeitung von fotografierten Bildern. Ich konnte aus einem Foto unendlich viele Bilder gestalten. Ich war von dem Zauber gefangen und wusste: Du bist in deinem Medium angekommen.

 

Ich beschäftige mich nunmehr seit mehreren Jahren mit der Gestaltung von Bildern auf der Grundlage digitaler Fotografie und der Bildbearbeitung. Sie ist die eigentliche Revolution, die der Wandel von der analogen zur digitalen Fotografie beschert hat. Hatte ich mich früher beim Malen gerade gegen die Technisierung unser Zeit gestellt, so wurde sie nun zu meinem Freund.

 

Noch nie konnte ich so vielfältig, handwerklich feingliedrig und präzise meine Gedanken in Kunstwerke umsetzen wie durch die Fotografie. Und im Gegensatz zu einst weiss ich heute, dass ich niemals an meine Grenzen stossen werde, weil sich immer wieder  neue Türen öffnen, durch die ich meine Gedanken und Gefühle in den unendlich weiten und freien Raum tragen und gestalten kann.